Cambridge

Cam|bridge ['keɪmbrɪʤ ]:
Stadt in England; Name zweier Städte in den USA.

* * *

I
Cambridge
 
['keɪmbrɪdʒ],
 
 1) Hauptstadt der County Cambridgeshire, Ostengland, am Cam, 95 700 Einwohner; bekannte Universitätsstadt und Marktzentrum eines wohlhabenden agrarischen Umlandes; biotechnologischen Forschungseinrichtungen, seit 1990 ist Cambridge Sitz der Sternwarte von Greenwich (Royal Greenwich Observatory); Zementindustrie, Elektronik-, elektrotechnische Industrie, Instrumentenbau, Druckereien, Verlage; Anziehungspunkt für Touristen.
 
 
Von den mittelalterlichen Pfarrkirchen wurden Saint Benet's mit anglosächsischem Turm und Saint Mary the Great (entstanden 1478-1522) als spätgotische Basiliken erbaut. Die Saint Sepulchre (um 1131; Chor 15. Jahrhundert), eine normannische Kirche, wurde nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem als Rundbau errichtet. Im frühen 19. Jahrhundert wurden Downing College (1807) u. a. klassizistische Bauten von W. Wilkins sowie das Fitzwilliam Museum (1837-41) in Formen des Spätklassizismus ausgeführt. Der Baukomplex des Saint John's College (gegründet 1511) wurde erweitert um den New Court (1825-31, von T. Rickman in neugotischem Stil), die Bridge of Sighs (1827-33) und die neugotische Kapelle (1863-69, von G. G. Scott). Die um 1960 einsetzende Neubautätigkeit bemühte sich um Anschluss an die internationale Architektur: J. Stirling, Faculty of History Library, 1968; R. Erskine, Clare Hall, 1969; das Architektenbüro »Howell, Killick, Partridge & Amis«, Darwin College, 1970, und Downing College, 1970; »Arup Associates«, New Museums Building, 1971.
 
 
Cambridge entstand am Endpunkt der Ouse-Cam-Schifffahrt auf dem hohen (24 m) Ostufer des Cam, am Schnittpunkt mehrerer römischer Straßen. Die im Kampf gegen die Normannen geeinten Kerne um Market Hill und Castle Hill entwickelten sich zu einer wohlhabenden Handels- und Gewerbestadt, der sich im 11. Jahrhundert die Barnwell-Priorei und im 12. Jahrhundert das Benediktinerinnenkloster Saint Radegond, das 1496 im Jesus College aufging, angliederten.
 
Die Cambridge University bildet ein eigenes Gemeinwesen, an dessen Spitze der auf Lebenszeit gewählte Kanzler (Chancellor) steht. Im Senat haben alle Sitz und Stimme, die in Cambridge den Grad eines Masters erwarben. Die Anfänge der Universität sind auf die Flucht von Lehrern aus Oxford (1209) zurückzuführen; für das Jahr 1225 ist ein Kanzler belegt, für 1233 die erste päpstliche Bestätigung (1318 Anerkennung des »Studium generale«). Konflikte zwischen Stadt und Universität führten zu deren strafferer Organisation und zur Zusammenfassung der Studenten in Colleges. Diese Wohn- und Studiengemeinschaften begannen meist in vorhandener Bausubstanz, sie wurden zunehmend mit eigenen Mitteln ausgestattet (Stiftungen) und erhielten später Neubauten oder wurden zu architektonischen Einheiten um einen Innenhof zusammengefasst. Die Colleges bilden ein eigenes Universitätsviertel; zu den bekanntesten gehören: Peterhouse (als ältestes 1284 gegründet), Corpus Christi College (1352; mit »Altem Hof« aus der Gründungszeit), King's College (1441; Kapelle 1446-1515; Senate House von J. Gibbs, 1722-30), Queen's College (1448 als Saint Bernard's gegründet; mit Klosterhof aus der Gründungszeit), Trinity College (1546 durch Zusammenlegung älterer Institute gegründet; aus dem 17. Jahrhundert Halle, Hof sowie Bibliothek von C. Wren, 1676), Girton College (für Frauen; gegründet 1873). Zur Universität gehören eine reiche Bibliothek (rd. 3,5 Mio. Bände, 16 000 Handschriften), verschiedene Museen, Sternwarte, botanischer Garten, Druckerei und Verlag (Cambridge University Press). - Die Universität hat jahrhundertelang einen bestimmenden Einfluss auf das geistige Leben Englands ausgeübt und in der Reformationszeit unter der Kanzlerschaft von John Fisher (1504-35) eine führende Rolle gespielt. An den Colleges lehrten u. a. I. Newton und Erasmus von Rotterdam (1510-13). Zu den Schülern des Trinity College zählten u. a. F. Bacon, I. Newton, J. Dryden und Lord Byron.
 
 
 
The Victoria history of the county of Cambridgeshire and the Isle of Ely, hg. v. J. P. C. Roach, Bd. 3: The city and university of C. (London 1959, Nachdr. ebd. 1967).
 
 2) Stadt in Massachusetts, USA, am Charles River gegenüber von Boston (seit 1912 durch Untergrundbahn verbunden), 95 800 Einwohner; Sitz der Harvard University, des Massachusetts Institute of Technology, des Smithsonian Astrophysical Observatory, der American Academy of Arts and Sciences; Industriezentrum mit Verlagen und Druckereien, Elektromaschinenbau, Nahrungs- und Genussmittel-, Bekleidungs-, Schuh- und Gummiindustrie.
 
 
Cambridge besitzt bedeutende Gebäude und Museen, u. a. Massachusetts Hall (1720, von J. Leverett), University Hall (1813-15, von C. Bulfinch), Sever Hall (1878-80, von H. H. Richardson); Graduate Center (1950, u. a. von W. Gropius), Carpenter Center for the Visual Arts (1963, von Le Corbusier), Neubau des Fogg Art Museums (1979) und Arthur M. Sackler Museum (1985, beide von J. Stirling), Busch-Reisinger Museum (Germanic Museum) mit einer Gemäldesammlung der deutschen Moderne und einer der größten Sammlungen zur Bauhauskunst außerhalb Deutschlands. Das Büro »Sert, Jackson & Gourley« errichtete F. G. Peabody Terrace (1964) und Holy Center (1966). Für das Massachusetts Institute of Technology arbeiteten A. Aalto (Baker House, Wohnheim für Studenten, 1947-49) und Eero Saarinen (Kresge Auditorium, 1955).
 
 
Cambridge, um 1631 von der Massachusetts Bay Company als New Towne gegründet, wurde 1636 Sitz des Harvard College (später Harvard University) und 1638 in Cambridge umbenannt.
 
Im Unabhängigkeitskrieg übernahm G. Washington 1775 hier den Befehl über die amerikanische Armee.
 
 
 3) Stadt im Süden der Provinz Ontario, Kanada, westlich des Ontariosees, 92 800 Einwohner. 1973 durch die Vereinigung von drei Gemeinden entstanden.
 
II
Cambridge
 
['keɪmbrɪdʒ],
 
 1) Ada, australische Schriftstellerin britischer Herkunft, * Wiggenhall Saint Germains (County Norfolk, England) 21. 11. 1844, ✝ Elsternwick (Victoria) 19. 7. 1926; kam 1870 nach Australien; verfasste religiöse Gedichte sowie Romane im Stil der viktorianischen Erzählprosa, in denen sie die aristrokratische und mittelständische Gesellschaft ihrer Zeit porträtierte.
 
Werke: Lyrik: The manor house and other poems (1875); Unspoken thoughts (1887); The hand in the dark and other poems (1913).
 
Romane: A marked man (1890); The three miss kings (1891); Not all in vain (1892); A little minx (1893); A marriage ceremony (1894); Fidelis (1895); Materfamilias (1898).
 
Erinnerungen: Thirty years in Australia (1903).
 
 
R. Beilby u. C. Hadgraft: A. C., Tasma and Rosa Praed (Melbourne 1979).
 
 2) Adolphus Frederick, Herzog von, britischer Feldmarschall, * London 24. 2. 1774, ✝ ebenda 8. 7. 1850; jüngster Sohn König Georgs III. von England; 1816-31 Generalstatthalter, 1831-37 Vizekönig von Hannover. Unter seiner Regierung kam das hannoversche Staatsgrundgesetz von 1833 zustande.

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Cam|bridge ['keɪmbrɪdʒ]: Stadt in England; Name zweier Städte in den USA.

Universal-Lexikon. 2012.

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